Gesetz der Anziehung: Manipulation oder freier Wille?

|Jessica Zeyer
Gesetz der Anziehung und freier Wille – energetische Verbindung zwischen zwei Menschen

Manipuliere ich andere Menschen und missachte ich deren freien Willen, wenn ich mit dem Gesetz der Anziehung arbeite?

Wer sich intensiver mit dem Gesetz der Anziehung beschäftigt und beginnt, seine Realität bewusst zu verändern, stößt früher oder später auf dieselbe Frage. Kann es überhaupt richtig sein, dir von einem anderen Menschen ein anderes Verhalten zu wünschen, als er es im Moment zeigt?

Vielleicht möchtest du eine harmonische Beziehung erleben, obwohl ihr euch gerade streitet. Vielleicht wünschst du dir, dass sich dein Ex-Partner wieder meldet, sich von einer bestimmten Person trennt, dass jemand freundlicher zu dir wird oder dass eine schwierige Beziehung endlich liebevoll verläuft.

Genau an diesem Punkt taucht häufig ein unangenehmes Gefühl auf. Es entsteht der Gedanke, ob man dadurch nicht den freien Willen eines anderen Menschen beeinflusst oder sogar manipuliert.

Diese Sorge ist verständlich. Schließlich möchte man, dass alles freiwillig geschieht und man niemandem seinen Willen aufzwingen oder Entscheidungen für ihn treffen muss. Gleichzeitig scheint das Gesetz der Anziehung genau das zu behaupten, wenn davon gesprochen wird, dass sich andere Menschen entsprechend deiner inneren Annahmen verändern.

Der scheinbare Widerspruch löst sich jedoch auf, sobald du verstehst, was ein Bewusstseinszustand tatsächlich ist.

Das größte Missverständnis besteht darin, zu glauben, dass du versuchst, einen anderen Menschen innerhalb deiner aktuellen Realität zu verändern.

Genau das geschieht nach den Lehren von Neville Goddard jedoch nicht. Du stehst nicht vor einer einzigen unveränderbaren Welt, in der du versuchst, andere Menschen umzuprogrammieren.

Vielmehr existieren unzählige Möglichkeiten gleichzeitig, und jeder Bewusstseinszustand entspricht einer anderen Version deiner persönlichen Realität.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Manipulation und bewusster Schöpfung.

Manipulation bedeutet, den Willen eines anderen Menschen innerhalb derselben Realität zu brechen oder ihn gegen seine eigenen Entscheidungen zu beeinflussen. Beim Gesetz der Anziehung geht es dagegen nicht darum, einen Menschen zu verändern, sondern deinen eigenen Bewusstseinszustand zu wechseln. Mit diesem Wechsel verändert sich automatisch die Realität, die zu diesem neuen Zustand gehört.

Du versuchst also nicht, jemanden umzuerziehen oder seinen freien Willen außer Kraft zu setzen. Du wechselst vielmehr in eine Realität, in der dieser Mensch bereits die Eigenschaften besitzt, die zu deinem neuen Bewusstseinszustand passen.

Dieser Gedanke wirkt zunächst ungewohnt, weil unser Verstand gelernt hat, die Welt als etwas Starres zu betrachten. Wir glauben, es gäbe nur eine einzige Wirklichkeit und innerhalb dieser einen Realität müssten sich alle Menschen verändern. Genau deshalb entsteht überhaupt die Frage nach Manipulation.

Nach Neville Goddard existiert jedoch nicht nur eine einzige Möglichkeit bzw. Realität. Jede denkbare Version einer Situation ist bereits vorhanden. Dein Bewusstsein entscheidet lediglich, welche davon du erlebst.

Stell dir ein riesiges Regal vor, das bis zum Horizont reicht. In diesem Regal stehen unzählige Paar Schuhe. Jedes einzelne Paar steht für einen bestimmten Bewusstseinszustand. Ziehst du ein anderes Paar Schuhe an, läufst du nicht denselben Weg mit veränderten Schuhen weiter. Du betrittst vielmehr einen anderen Weg, der genau zu diesen Schuhen gehört.

Genauso verhält es sich mit deinem Bewusstsein.

Es gibt einen Zustand, in dem dein Partner distanziert ist. Einen anderen, in dem eure Beziehung harmonisch verläuft. Einen Zustand, in dem eine Person kein Interesse an dir zeigt, und einen weiteren, in dem dieselbe Person gerne Zeit mit dir verbringt. Keiner dieser Zustände wird erst erschaffen. Sie existieren bereits als Möglichkeiten. Dein Bewusstsein entscheidet lediglich, welchen davon du erlebst.

Wenn du das verstanden hast, verändert sich deine gesamte Sichtweise auf den freien Willen. Du zwingst niemanden dazu, jemand anderes zu werden. Du wählst den Bewusstseinszustand, in dem die gewünschte Realität bereits existiert.

Dein Bewusstsein ist der Schlüssel – nicht der Wille eines anderen Menschen

Sobald du beginnst, das Gesetz der Anziehung aus dieser Perspektive zu betrachten, verschiebt sich dein gesamter Fokus. Du hörst auf, andere Menschen verändern zu wollen, weil du erkennst, dass deine eigentliche Aufgabe eine völlig andere ist.

Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, zu überreden oder gegen seinen Willen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Deine Aufgabe besteht ausschließlich darin, den Bewusstseinszustand einzunehmen, in dem deine gewünschte Realität bereits selbstverständlich ist.

Das klingt zunächst einfach, hat aber weitreichende Konsequenzen.

Die meisten Menschen verbringen ihre gesamte Energie damit, das Außen kontrollieren zu wollen. Sie beobachten ständig, ob sich eine Person bereits anders verhält, ob eine Nachricht kommt, ob sich jemand freundlicher zeigt oder ob endlich die Veränderung eintritt, auf die sie warten. Genau dadurch bleiben sie jedoch im alten Bewusstseinszustand gefangen, denn ihre Aufmerksamkeit richtet sich ununterbrochen auf das, was sie eigentlich verändern möchten.

Nach den Lehren von Neville Goddard entsteht Veränderung jedoch niemals dadurch, dass du gegen die bestehende Realität kämpfst. Sie entsteht dadurch, dass du innerlich einen Zustand annimmst, in dem das Gewünschte bereits Realität ist. Die äußere Welt folgt diesem inneren Zustand anschließend wie ein Spiegel.

Das bedeutet auch, dass du niemandem einen Gedanken einpflanzt oder seinen Charakter umschreibst. Du wechselst vielmehr auf eine Ebene deines eigenen Bewusstseins, in der sich deine Erfahrung dieser Person verändert.

Warum sich dieses Konzept so schwer verstehen lässt

Unser Verstand wurde darauf trainiert, Ursache und Wirkung ausschließlich im Außen zu suchen. Wenn sich ein Mensch plötzlich anders verhält, gehen wir automatisch davon aus, dass er seine Meinung geändert hat oder durch äußere Umstände beeinflusst wurde. Dass Bewusstsein selbst die eigentliche Ursache sein könnte, widerspricht allem, was wir von klein auf gelernt haben.

Genau deshalb fällt es vielen schwer, das Prinzip der Bewusstseinszustände nachzuvollziehen.

Wir stellen uns die Realität häufig wie ein festes Gebäude vor, das sich nur langsam verändern kann. Neville Goddard beschreibt sie dagegen wie etwas Lebendiges, das sich ständig entsprechend deinem Bewusstsein organisiert. Nicht die äußeren Umstände bestimmen deinen inneren Zustand, sondern dein innerer Zustand bestimmt, welche äußeren Umstände du erlebst.

Wenn du diesen Gedanken wirklich zulässt, verschwindet auch die Angst, dass du andere Menschen manipulieren musst oder könntest. Du kannst nur den Zustand verändern, den du selbst einnimmst. Alles andere ergibt sich daraus.

Das Schuhregal – eine andere Sicht auf den freien Willen

Die Vorstellung eines Regals mit unzähligen Paar Schuhen hilft dabei, dieses Prinzip verständlicher zu machen.

Stell dir vor, jedes Paar Schuhe steht für einen vollständigen Bewusstseinszustand. Mit jedem Paar betrittst du eine andere Version deiner Realität. In einem Paar Schuhe erlebst du einen Menschen, der dir gegenüber verschlossen ist. Im nächsten Paar begegnest du derselben Person offen, liebevoll und respektvoll. Wieder ein anderes Paar führt dich in eine Realität, in der ihr euch nie kennengelernt habt.

Alle diese Möglichkeiten existieren gleichzeitig.

Du musst keines dieser Paare erst herstellen. Du musst niemanden dazu überreden, sich zu verändern. Du entscheidest lediglich, welche Schuhe du anziehst und welchen Weg du dadurch gehst.

Genau das beschreibt Neville Goddard mit dem Wechsel des Bewusstseinszustandes.

Du wechselst nicht die Menschen.

Du wechselst den Zustand, in dem du ihnen begegnest.

Damit verändert sich automatisch auch die Erfahrung, die du mit ihnen machst.

Warum sich manche Veränderungen leicht und andere schwer anfühlen

Vielleicht hast du schon erlebt, dass sich manche Wünsche scheinbar mühelos erfüllen, während andere lange auf sich warten lassen. Viele glauben dann, das Universum entscheide willkürlich oder prüfe sie.

Aus der Sicht des Bewusstseins gibt es dafür jedoch eine andere Erklärung.

Je weiter dein gewünschter Zustand von deinem bisherigen Selbstbild entfernt ist, desto stärker versucht dein Unterbewusstsein, an seiner bisherigen Programmierung festzuhalten. Nicht weil dein Wunsch unmöglich wäre, sondern weil dein bisheriges Paradigma ihn noch nicht als selbstverständlich akzeptiert.

Wenn du beispielsweise tief in dir überzeugt bist, nicht liebenswert zu sein, wird sich dein Unterbewusstsein gegen einen Bewusstseinszustand wehren, in dem du eine erfüllte und liebevolle Partnerschaft als völlig normal empfindest. Der Widerstand entsteht nicht im Außen, sondern ausschließlich in deinem Inneren.

Deshalb beginnt jede bewusste Veränderung immer beim Selbstbild.

Nicht weil du dich erst würdig machen musst, sondern weil dein Selbstbild darüber entscheidet, welchen Bewusstseinszustand du als deine natürliche Realität akzeptierst.

Der freie Wille bleibt bestehen

Die Sorge, dass das Gesetz der Anziehung den freien Willen anderer außer Kraft setzen könnte, ist unberechtigt. Betrachtet man Bewusstsein als Grundlage der Realität, löst sich dieser Widerspruch umgehend auf. Wenn du etwas haben willst und dafür in einen neuen Bewusstseinszustand wechselst, zwingst du niemanden, etwas gegen seinen Willen zu tun.

Du greifst nicht in das Bewusstsein eines anderen Menschen ein.

Du triffst ausschließlich eine Entscheidung darüber, welchen Bewusstseinszustand du selbst einnimmst und welche Version deiner Realität du dadurch erfährst.

Der freie Wille liegt deshalb nicht darin, andere Menschen verändern zu können.

Der eigentliche freie Wille besteht darin, jederzeit entscheiden zu können, welchen inneren Zustand du annimmst.

Genau darin liegt die größte Freiheit, die Neville Goddard beschreibt.

Fazit

Die Frage nach dem freien Willen entsteht nur dann, wenn wir davon ausgehen, dass es lediglich eine einzige unveränderbare Realität gibt, innerhalb derer andere Menschen gegen ihren Willen verändert werden müssten. Das Gesetz der Anziehung beschreibt jedoch einen völlig anderen Ansatz. Es geht nicht darum, Menschen zu manipulieren oder ihre Entscheidungen zu kontrollieren. Es geht nur darum, den eigenen Bewusstseinszustand zu verändern und dadurch die Realität zu erleben, die zu diesem neuen Zustand gehört.

Sobald du diesen Unterschied wirklich verstanden hast, verschwindet die Angst vor Manipulation. Deine Aufmerksamkeit richtet sich nicht länger darauf, andere Menschen verändern zu wollen, sondern darauf, dein eigenes Selbstbild, dein Paradigma und deinen Bewusstseinszustand bewusst zu wählen.

Genau darin liegt die eigentliche Kraft des Gesetzes der Anziehung. Nicht weil du Kontrolle über andere Menschen erlangst, sondern weil du erkennst, dass die größte Veränderung immer bei dir selbst beginnt. Sobald sich dein Bewusstsein verändert, verändert sich auch die Realität, die du erfährst. Nicht durch Zwang, nicht durch Manipulation und nicht gegen den freien Willen eines anderen Menschen, sondern weil du dich entschieden hast, einen anderen Bewusstseinszustand einzunehmen.

1 Kommentar

Vielen Dank für diese Erklärung 🙏 Ich habe dieses Thema nun endlich verstanden! Ich hatte mich nicht getraut etwas zu manifestieren, aus Angst, den freien Willen des anderen zu untergraben. Aber es geht nicht darum, den anderen zu verändern sondern darum, in eine andere Realität zu wechseln, in der der andere bereits so ist, wie ich es mir wünsche…

Emi

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