Das Gesetz der inneren Eindeutigkeit - warum ein Hin und Her jede Manifestation im Keim erstickt

|Jessica Zeyer
Eine Frau die visualisieren und manifestieren will sitzt in meditativer Pose mit ihren Wünschen im Tempel.
„Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.“ 

Dieses bekannte Zitat stammt aus Johann Wolfgang von Goethes Werk Faust I, genauer aus der Szene „Vor dem Tor“.

Darin wird Fausts innerer Konflikt deutlich: Er schwankt zwischen der Bindung an sinnliche, irdische Bedürfnisse und dem gleichzeitigen Streben nach höherer, geistiger bzw. metaphysischer Erkenntnis.

Der Ausspruch wird allgemein verwendet, um Situationen zu beschreiben, in denen jemand innerlich hin- und hergerissen ist oder sich zwischen zwei gleich starken, aber gegensätzlichen Optionen nicht entscheiden kann.

Übertragen wir den Gefühlskonflikt, in dem sich Faust befindet, nun auf dich.

Stell dir vor, du hältst in jeder Hand ein Gefäß: In deiner linken Handfläche beinhaltet es deinen Wunsch, in der rechten deine Zweifel.

Das sind zwei konträre Dinge. Denn du weißt, damit dein Wunsch sich erfüllen kann, musst du dich dauerhaft im inneren Zustand des Schon Habens befinden. Er kann sich nur so erfüllen bzw. nur auf diese Weise wird er manifestieren.

Also entscheidest du dich für das linke Gefäß und erklärst voller Hoffnung, dass dein Traum nun erfüllt ist und nimmst den notwendigen Bewusstseinszustand ein, während du dich im Hinterkopf jedoch bereits insgeheim und unbewusst wieder auf die schmerzhafte Enttäuschung einstellst, dass du versagen könntest.

Das Ergebnis? Nichts wird sich bewegen, deine Situation bleibt beim Alten. Eine positive Dynamik findet nicht statt.

Denn die innere Uneindeutigkeit blockiert deine Manifestation. 

Man denkt sehr oft, man sei klar und fokussiert im notwendigen Gefühlszustand des bereits erfüllten Begehrens, obwohl dem gar nicht so ist. 

Weil Zweifel sich sehr gut tarnen und es einer Menge Übung bedarf, sie zu eliminieren und durch Glaube zu ersetzen.

Uneinigkeit führt immer und überall zu Ärger, Trennung oder Problemen.

Ist sich beispielsweise auf der politischen Bühne eine Koalition nicht einig, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern.

Verfehlt ein Parlament eine notwendige Mehrheit bei bestimmten Entscheidungen, gibt es meist Neuwahlen, da konsequentes Durchregieren in eine bestimmte Richtung nicht mehr möglich ist.

Das gleiche Prinzip gilt für deine innere Haltung: Du kannst nicht im Geiste annehmen, dass du bereits die Person bist, die du sein möchtest und dein Wunsch erfüllt wurde, doch gleichzeitig felsenfest davon überzeugt sein, dass dem nicht so ist. 

Ein Verstand, der zwei völlig gegensätzliche Dinge zur gleichen Zeit denkt und fühlt, manifestiert am Ende nichts außer Verwirrung und Stillstand.

Diese innere Zerrissenheit musst du ein für alle Mal überwinden. Und zwar nicht durch harte Anstrengung oder krampfhaftes Wollen. Du musst vielmehr eine klare Entscheidung für den benötigten Gefühlszustand treffen und deine dafür notwenidge Willenskraft  einsetzen. 

Dieser Text soll dir aufzeigen, wie echte innere Einheit aussieht und wie sie sich anfühlt. Ich will dir auch erklären, was du tun kannst, um deine eigenen Wünsche nicht genau in dem Moment zu verraten, in dem du deren Manifestation eigentlich beschlossen hast. 

Wenn du bereit bist, die Augen vor der eigenen Selbsttäuschung zu öffnen und nicht länger auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, dann bist du hier goldrichtig. Denn ich ergründe nun gemeinsam mit dir den stillen Killer jeder Manifestation: das Problem des inneren Hin und Her.

Wir schauen uns an, was diese Zwiespältigkeit mit deinem Leben macht und wie es sich anfühlt, wenn du einen echten Fokus hast. 

Die Falle des „mentalen Tourismus“

Vielleicht kennst du das Problem: Du setzt dich gemütlich hin, um deine Visualisierungsübungen zu machen. Du schließt die Augen, erschaffst vor deinem geistigen Auge eine wunderbare Szene und baust notwendige Sinneswahrnehmungen ein. Du spürst den herzlichen Händedruck, hörst die begeisterten Glückwünsche von Freunden, fühlst die tiefe Erleichterung, die pure Zufriedenheit und das endgültige Ende deines Problems. Du bist vollkommen in den Zustand des Schon Habens eingetaucht. Es fühlt sich absolut real an, lebendig und vollbracht.

Doch dann öffnest du die Augen. Du gehst zurück in deinen ganz normalen Alltag, und schon innerhalb der nächsten Stunde fängt dein Gedankenkarussell wieder damit an, dich innerlich zu jagen:

 „Aber wann wird es denn endlich im Außen sichtbar? Was ist, wenn es bei mir einfach nicht klappt? Habe ich vielleicht etwas falsch gemacht? Muss ich die Übung heute Abend unbedingt noch mal wiederholen, damit sie sich richtig festsetzt?“

Erkennst du, was in diesem Moment mit deiner Energie passiert ist?

Du bist in Lichtgeschwindigkeit vom Zustand des erfüllten Wunsches in den Zustand des Mangels gewechselt – weg von der Gewissheit des Habens, direkt hinein in die Angst des Nicht-Habens. 

Aus felsenfester Gewissheit wurde pure Ungewissheit.

Zwar hast du in deiner wunderbaren Vorstellungskraft kurz daran geglaubt, aber im alltäglichen Verstand zweifelst du es sofort wieder an. 

In dem Moment, in dem du zu schwanken beginnst, führst du einen zweiten Bewusstseinszustand ein – und dieser zerstört sofort wieder alles, was du im Bewusstseinszustand des bereits erfüllten Wunsches mühsam aufgebaut hast.

Du musst innerlich im Zustand des Schon Habens bleiben. Immer. Egal, was die Außenwelt dir zeigt.

Es geht beim Manifestieren nicht um die Intensität deines Gefühls; es geht nicht darum, dich mit aller Macht zu zwingen, noch tiefer zu glauben oder die Emotionen immer weiter zu verstärken. 

Es geht einzig und allein um die Einheitlichkeit. Darum, nur einen einzigen Zustand einzunehmen. Eine Sache zu denken, nicht zwei.

Hier liegt die eigentliche unbewusste Tragödie:

Die meisten Menschen, mit denen ich spreche, halten sich für absolut fokussiert, weil sie zehn Minuten am Tag damit verbringen, sich ihren Wunsch intensiv vorzustellen – während sie die restlichen 23 Stunden und 50 Minuten des Tages damit zubringen, sich in ihren Gedanken das genaue Gegenteil des bereits erfüllten Wunsches auszumalen.

Sie berühren den Zustand des Schon Habens kurz, nur um sich direkt wieder davon abzuwenden. Sie besuchen ihr Ziel, kehren dann aber sofort in ihr altes Mangel-Bewusstsein zurück. Das ist keine Einmütigkeit, keine klare Richtungsentscheidung.

Echte Einheit sucht keine Bestätigung im Außen

Unter innerer Einheit verstehe ich das beständige, unerschütterliche Verweilen in einer einzigen, festen Annahme, die sich nicht immer wieder ändern darf.

Um sie zu halten, sollst du nicht ununterbrochen irgendwelche  Affirmationen oder stundenlang Sätze aufsagen.

Es geht hier nur um das stille, absolut konsequente Ruhen im Gefühl der bereits vollbrachten Sache. Du musst innerlich die Person werden, die schon hat, was du begehrst. Ganz wichtig: Du musst dich wie diese Person fühlen. Das Gefühl ist das Geheimnis. Es geht immer nur das Halten dieses Gefühls.

Dass du es innerlich erzeugt hast und konstant darin verweilst, merkst du daran, dass die quälende Frage nach dem „Wann“  dich überhaupt nicht mehr beschäftigt und du damit aufhörst, im Außen nach Beweisen oder Zeichen zu suchen. Ein einheitlicher Geist braucht keine Bestätigung von der Außenwelt; er ruht vollkommen in seiner eigenen Vorstellungskraft. 

Wenn du sie bei jeder Gelegenheit wieder aufgibst oder abänderst, kannst du deine Annahme nicht halten und dein Wunsch wird sich nicht erfüllen.

Und du gibst den Zustand des Schon Habens jedes einzelne Mal auf, wenn du zwei Dinge gleichzeitig denkst oder wenn du sagst „Es ist vollbracht“ und dich kurz darauf panisch fragst, ob es wirklich stimmt.

Immer dann, wenn du deinen Erfolg bejahst, aber im Geiste schon deinen Notfallplan für dein Scheitern vorbereitest, verlierst du deine Manifestation.

Ein subtiles Hintergrundrauschen der Angst

Es ist ungemein wichtig, zu erkennen, dass diese Zwiespältigkeit in deinem Alltag nicht immer laut und offensichtlich ist. 

Sie äußert sich meist nicht als dramatisches „Ich will das, aber ich schaffe es eh nicht“.

In der Regel agiert sie still und subtil in deinen Gedanken. Sie erscheint eher als ein leises, giftiges Hintergrundrauschen, das dir innerlich zuflüstert:

„Ich tue zwar so, als würde ich vertrauen, aber ich bereite mich im Geiste lieber schon mal auf die schmerzhafte Enttäuschung vor.“

Ich höre in solchen Momenten auch oft den Satz: 

„Ich gebe es ab, das Universum macht das schon“.

Hinter dieser Aussage versteckt sich leider eine unschöne Wahrheit. Denn sie ist nichts weiter als ein verdecktes Ausweichmanöver des Paradigms, das wieder das alte Muster herstellen will und die Angst, Verkrampfung und den empfundenen Mangel durch einen "liebevollen Satz" tarnt, mit dem man sich dann einreden kann, wie spirituell man doch sei. 

Es ist ein bloßes Schauspiel des Glaubens an der Oberfläche, während darunter ein tiefer, reißender Strom, der die Erfüllung des Wunsches ganz sicher verhindern wird, fließt, und dich hinabzieht ins Paradigm.

Du hast immer nur drei Möglichkeiten, wenn du manifestieren willst.

Du nimmst den Zustand des bereits erfüllten Wunsches vollkommen ein, oder du tust es nicht. 

Oder du versuchst eben, zwei Zustände gleichzeitig einzunehmen, dann nimmst du in Wahrheit überhaupt keinen ein.

Du befindest dich dann permanent in einer Art Zwielicht – und im Dazwischen manifestiert sich nichts außer Stillstand.

Wenn du willst, dass dein Wunsch sich manifestiert, dann musst du innerlich dauerhaft an dem richtigen Ort, also im benötigten Gefühlszustand, bleiben. Ein unverbindliches Besuchen mal eben zwischendurch, wird zu keiner erfolgreichen Manifestation führen.

Dieser Zustand des Schon Habens fühlt sich an wie eine tiefe, unerschütterliche Ruhe. Als gäbe es im Außen absolut nichts mehr zu tun, nichts mehr herauszufinden.

Es ist eine stille Gewissheit, die du auch hast, wenn du an deinen Namen denkst. Du weißt ganz sicher, dass du so heißt, du hast daran keinen Zweifel. So muss es sich anfühlen. 

Du musst deinen Namen ja auch nicht visualisieren oder täglich bestätigen, du überprüfst nicht im Spiegel, ob er noch da ist.

Warum verlässt man den richtigen Gefühlszustand immer wieder 

Hinter dem Kampf, den benötigten Gefühlszustand zu halten, liegt ein grundlegendes Missverständnis darüber, wer wir wirklich sind.

Denn wir glauben fälschlicherweise, wir seien ein physischer Körper in einer harten Außenwelt, der ein bisschen Bewusstsein in sich trägt.

Wenn wir uns also etwas vorstellen, sehen wir unseren Wunsch als etwas von uns Getrenntes an. 

Wir sehen das Ziel dort drüben und uns selbst einsam an einem anderen Ort. Deshalb versuchen wir krampfhaft, diese Lücke zu schließen.

Und dann warten wir im Außen darauf, dass die Sache endlich eintrifft und denken unbewusst zweierlei:

„In meiner Fantasie habe ich es, aber in der echten Realität fehlt es mir noch.“

Ich habe fast mein gesamtes bisheriges Leben so verbracht.

Und nach jahrelangem Suchen nach etwas, von dem ich gar nicht wusste, dass es das ist, was ich suchte, habe ich verstanden:

Unser Bewusstsein ist die einzige, wahre Realität.

Es gibt keine Trennung da draußen, keine Lücke, die du mit harter Arbeit schließen musst.

Wenn du im Inneren annimmst, dass du etwas bist, dann bist du es in diesem Moment im Bewusstsein. Und die Außenwelt – die nichts anderes ist, als ein Spiegel deines nach außen projizierten Bewusstseins – muss diese innere Annahme zeitverzögert widerspiegeln.

Du siehst im Spiegel immer nur ein Spiegelbild.

Wenn das nächste Mal also ein zweifelnder Gedanke auftaucht wie:

 „Was, wenn das nicht funktioniert? Was, wenn ich es falsch mache?“ – dann erkenne ihn einfach als das, was er ist: ein alter, mechanischer Gewohnheitsgedanke aus deiner Vergangenheit.

Du musst ihm nicht folgen. Kehre stattdessen sofort zu deiner eindeutigen Annahme zurück. Lenke deine Aufmerksamkeit sanft wieder auf das fertige Endergebnis. Flüstere dir innerlich zu: „Es ist vollbracht“, und geh weiter durch deinen Tag als die Person, für die es bereits absolute Realität ist.

Wenn du dich weigerst, dem Zweifel ein Zuhause in deinem Kopf zu bauen, wird er von alleine verblassen – einfach, weil du aufgehört hast, ihm Aufmerksamkeit zu geben.

Am Anfang wird sich das vielleicht wie ein anstrengendes Training anfühlen, bei dem du dich ständig selbst ertappen und liebevoll umleiten musst. Das ist völlig okay und gehört zum Prozess dazu. Aber wenn du beharrlich bleibst, wird sich der neue Zustand schon bald viel natürlicher anfühlen als der alte.

Hör also auf, mit der Realität im Außen zu verschmelzen oder Wahrscheinlichkeiten abzuwägen.

Triff jetzt die Entscheidung für die innere Eindeutigkeit. Beende das Zweifeln und bleibe im Zustand des Schon Habens.

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